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Testbericht
geschrieben von: admin
Pilatus B4 
Im MFI 10/98 erschien ein Bericht über unsere B4...

Aus "Modellflug International" 10/98


"Ist das Voll-GfK?"
lautet zumeist die erste Frage, wenn sich ein Fliegerkollege auf einem Modellflugplatz die kleine blau-gelbe "Pilatus B4" ansieht, zuerst nur seine Blicke und dann vorsichtig die Finger auf der glatten Oberfläche gleiten läßt. Auf das "Ja" hin kommt zwangsläufig die Frage nach dem Hersteller und dem Preis. Erstere läßt sich ganz einfach mit dem Wort "Schwabbauer" beantworten. Bei der Beantwortung der zweiten, das hat die Erfahrung gezeigt, muß man etwas vage bleiben. Denn mehrmals hat der Autor zu Anfang eine Zahl genannt. Und die hat ihn manchesmal in den Verdacht gebracht hat, ein Snob zu sein. "So viel?", war häufig die Reaktion. Und dann muß man anfangen zu argumentieren, weil es das 2,14-Meter-Sahneteil in vielen Liefervarianten gibt, vom nackten Bausatz mit GFK-Rumpf und Styro-Abachiflächen bis hin zum fertig eingeflogenen Voll-GFK-Modell. Und man erzählt
von der Leistung in der Thermik, die der gewählte Profilstrak E 211 auf E 392 ermöglicht, und den Langsamflugeigenschaften, die die Schwabbauer-B4 von anderen Modellen gleichen Typs und gleicher Spannweite unterscheidet. Am Hang fliegt sie eben nicht nur bei fünf Beaufort, sondern auch dann noch, wenn es nur so eben noch trägt. In der Thermik - da wird ihr ihre Größe zum Verhängnis - muß man aufpassen, daß sie nicht zu weit wegsteigt. Dann ist sie wie alle anderen der 2-Meter-Klasse nur noch schwer zu erkennen. Im September vergangenen Jahres mußte ich einen schönen Flug in der Ebene nach 25 Minuten abbrechen.
Ein konstanter Bart, etwa 200 Meter vom Pilotenstandort entfernt trug die Kleine immer wieder auf geschätzte 200 bis 300 Meter hinauf. Das Vario spielte eine rasante Melodie in den höchsten Tönen. Auf diese Entfernung hin ist volle Konzentration gefordert, um
sie im Pulk der größeren Modelle nicht zu verlieren. Außerdem ist die Fluglage dann schwer einzuschätzen. Daß der Autor sie trotzdem immer wieder auf seinem Platz von Schleppmaschinen bis in 300 Meter Höhe ziehen läßt, spricht für den außerordentlichen
Spaß, die Kleine in der Thermik zu fliegen.


Nersingen, ein kleiner Ort bei Ulm. Ein Spätherbsttag im Jahr 1997. Eine Familienfeier hat mich für ein Wochenende aus dem hohen Norden nach Augsburg verschlagen. Da nütze ich die Gelegenheit und mache an einem Samstagvormittag den Katzensprung zu Rupert
Schwabbauer, der als B4-Spezialist einen hervorragenden Ruf in der Modellbau-Szene genießt. Seit kurzem wohnt und arbeitet er in einem ehemaligen Bahnhofsgebäude, an dem die Intercity-Expreß-Züge auf der Linie Augsburg-Stuttgart erstaunlich leise vorbeirauschen.
50 Zentimeter dicke Mauern sorgen für eine Komfort-Geräuschdämpfung, hinter der Bahnlinie sieht man auf Felder und Wald. In dieser idyllischen Umgebung entstehen seine Modelle, die er in drei Größen anbietet: Die eingangs erwähnte 2,14-Meter-Version, von der
bereits viele hundert Exemplare verkauft wurden, die klassische 3,75er-Variante im Quarter-Scale-Maßstab 1:4 und eine gigantische 6-Meter-Ausgabe. Obwohl die Pilatus ja nun wirklich nicht "This Year´s Model" ist und von der Konzeption her aus den 60er Jahren stammt, erfreut sie sich als Modell nach wie vor allergrößter Beliebtheit. Ein Streifzug durch die Neuheiten-Kataloge der letzten Jahre bei den sogenannten Großen der Branche zeigt dies
ganz klar. Für Rupert Schwabbauer ist das ein alter Hut. Er feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Firmenjubiläum - und der Erfolg gründet sich, abgesehen von schwäbischem Fleiß, deutscher Sorgfalt und individueller Kreativität, allein auf der Auswahl des richtigen Modelltyps, eben der B4.


Hell und geräumig ist die Werkstatt. Vom Rumpf bis zu den Tragflächen entsteht hier alles in Handarbeit. In einem Nebenraum findet man die Ur-Formen für die GFK-Rümpfe, auf der großen Werkbank liegt ein fast fertiggestelltes Tragflächenpaar, der Rumpf eines neuen Projektes ist zu sehen. Versuche, sich einzelne Komponenten zuliefern zu lassen, verliefen nicht zur Zufriedenheit des Perfektionisten. Deswegen gilt: Hier baut der Chef selbst. Neben
der Werkstatt gibt es einen Showroom, in dem Besucher flugfertige Exemplare begutachten können. An den Wänden hängen Urkunden, und auf Regalen stehen Pokale, die davon zeugen, daß Rupert Schwabbauer nicht nur Modelle bauen, sondern sie auch erfolgreich
auf Wettbewerben fliegen kann.


Apropos fliegen: An den Steuerknüppeln des Autors hingen bisher die 2,14-Meter-Version als Segler und Elektro-Segler sowie die 3,75-Meter-Maschine. An die ganz große habe ich mich bisher noch nicht getraut.


Seit zwei Jahren pilotiere ich die Kleine in Voll-GFK, vorwiegend in der Ebene. Die Qualität der einzelnen Teile ist sehr gut, was nicht weiter verwundert, weil - mittlerweile - zehn Jahre Erfahrung in der Herstellung und Qualitätskontrolle dahinterstecken: Oberflächengüte,
Einfärbung und Naht gehen völlig in Ordnung, die Paßgenauigkeit der einzelnen Teile zueinander ist perfekt. Leer wiegt das Modell um die 830 Gramm. Ein guter Wert. Und da gerade die Pilatus B4 eher mehr als weniger Gewicht verträgt - von wegen Durchzug im
Kunstflug - muß hier nicht mit jedem Gramm Gewicht gegeizt werden. Flugfertig kommt sie auf ein Gewicht von etwa 1400 Gramm. Im Seglerschlepp zieht sie sauber hinter der Motormaschine her. Auf Höhe ausgeklinkt, bleiben zwei Möglichkeiten: Thermiksuche
oder Kunstflug. Obwohl ich kein Kunstflug-Könner bin, daher fehlt hier auch der Verweis auf das komplett abgespulte Figurenprogramm, habe ich die kleine Blaugelbe - mitunter
unfreiwillig - schon ganz schön um die Ecken gescheucht. Als Kernaussage kann da stehen bleiben: Sie ist sehr agil, will gesteuert werden und ist in der Luft "unkaputtbar". Was
das thermische Fliegen angeht, da habe ich meine Erfahrungen ja schon eingangs geschildert. Zur Ergänzung: Das Kreisen gelingt besser, wenn man mit dem meiner Ansicht nach von Rupert Schwabbauer zu Unrecht verteufelten Kombi-Switch fliegt. (über dieses und andere Themen, so zum Beispiel den Einsatz eines Varios, kann man am Telefon mit Herrn Schwabbauer übrigens wunderbar stundenlang diskutieren.) Man sollte sich trotzdem
keine zu großen Hoffnungen auf "engstes Kreisen in Meterbärten" machen. Dafür ist sie mit ihrer 1,5-Grad-V-Form nicht ausgelegt. Aber mit ein bißchen Übung gelingt auch das allein mit Quer und Seite gesteuerte Kreisen recht ordentlich.


Ein eigenes Kapitel sind die Ruderausschläge: Die von Rupert Schwabbauer empfohlenen Ausschläge sind Werte für den Hangflug. In der Ebene kann man es da etwas geruhsamer angehen lassen und wer sich beim Erstflug unsicher ist, der sollte "Expo" und/oder "Dual
Rate" einprogrammieren. Weniger (Ausschlag) ist da erfahrungsgemäß mehr (Sicherheit).


Als sinnvolle Alternative bietet Rupert Schwabbauer seit einiger Zeit die Kleine auch mit einem von ihm abgestimmten und fix und fertig mit 4mm-Goldkontaktsteckern verlöteten und verkabelten Elektro-Direktantriebsset an. Das Set: 600er-Motor, 8 x 5er-Latte, Microswitch mit 30 A (BEC, EMK-Bremse), sieben Sanyo N-1000 SCR-Zellen inline verlötet. Ein
Pufferakku (200 mAh) federt Belastungsspitzen ab und sorgt dafür, daß die B4 wieder runter kommt, wenn der Flugakku leergeflogen ist. Das Set, das nur ca. 640 Gramm auf die Waage bringt, ist übrigens auch separat erhältlich. Als Extrem-Motorisierung gilt bisher
ein Robbe 330/6 mit zwölf Zellen (1000 MAh). In dieser Konfiguration wiegt die B4 etwa 2,2 Kilogramm und ist ein reinrassiger Hotliner. Derzeit ist eine B4 mit preiswertem
Brushless-Antrieb von Ikarus im Bau, der bei niedrigem Gewicht (160 Gramm) hohe Steigleistungen ermöglichen soll. Über die Erfahrungen wird später zu berichten sein.


Mit dem Schwabbauer-Antrieb rotiert rotiert die Klapplatte mit ca. 10.600 Umdrehungen/Minute gut drei Minuten lang. Da sind drei bis vier Steigflüge in gute Höhen drin. In der Ebene geht man auf Thermiksuche gehen, am Hang korrigiert man den Absaufer damit. Die Minimalfluggeschwindigkeit wurde am Computer mit 34 km/h (!) für
die E-Version errechnet. Tatsächlich läßt sich das Teil wirklich sehr langsam fliegen. Damit taugt sie auch bei Schwachwindlagen am Hang dazu, einen Versuch zu wagen. Beim
Steigflug muß man ordentlich auf "Tief" trimmen, weil die B4 trotz ca. 4 Grad Motorsturz gerne ihre Stupsnase hoch trägt. Da kommt man schnell in einen "schwammigen"
Flugzustand, der in einer unsanften Bodenberührung enden kann, was mir beim Erstflug passiert ist. Da zeigte sich übrigens, warum Rupert Schwabbauer zu Recht einen Flachstahl als Flächenverbinder einsetzt: Die Flächen schwingen auf diese Weise nämlich beim
Aufprall weg. Der Stahl nimmt die Energie auf, die sonst vom Rumpf und den Flächen "verarbeitet" werden müßte - zumeist durch Beschädigung.


Die Erfahrungen mit der Quarter-Scale-Version


Das Schöne an der 3,75-Meter-B4 ist, daß man wegen des Maßstabes von 1:4 bereits von einem Großmodell sprechen darf, obwohl man noch unter 4 Meter Spannweite liegt. Mit einem Kampfgewicht von zwischen sechs und sieben Kilo hat man wirklich schon einiges an Masse in der Luft. Über die Qualität der einzelnen Teile wie Rumpf, Leitwerke und Tragflächen braucht man hier keine zusätzlichen Worte zu verlieren. Das ist alles ebenso einwandfrei wie bei der kleineren Schwester. Die holmlosen Flügel sind in konventioneller Styro-Abachi-Bauweise aufgebaut und ganzflächig mit GFK-Lagen verstärkt, die in Verbindung mit Kohlefasergurten dafür sorgen, daß die Flächen allen auftretenden Belastungen in der Luft standhalten. Profiliert sind die Flächen mit dem
gleichen Epplerprofilstrak 211-392 wie die der kleineren Schwester. Für die Verbindung zwischen Rumpf und Tragflügeln kann man alternativ einen Flachstahl 18 x 2 mm oder einen 16-mm-Rundstahl ordern. Der Vorfertigungsgrad ist wiederum eine Frage des Geschmacks und des Portemonnaies und geht von der Bausatzstufe bis zur fertig eingeflogenen Maschine.


In der Ebene hängt die mittlere Schwabbauer-B4 satt an der Schleppleine und kann wegen ihrer Größe natürlich einiges höher ausgeklinkt werden - 400 bis 500 Meter sind überhaupt kein Problem, da sie wegen der großen Flächentiefe von 26,5 Zentimetern (an der
Wurzelrippe) sehr gut erkennbar ist. Da läßt sich dann natürlich wesentlich leichter Thermikanschluß finden. Großräumig flaches Kreisen gelingt mit ihr genauso gut, wie für ihre Verhältnisse erstaunlich enges Kreisen. Natürlich ist sie um die Längsachse wegen der Massen nicht gerade ein Ausbund an Agilität, kann aber erstaunlich schnell mit Links-Rechts-Kurven-Wechseln geflogen werden. Eine gewisse Fahrt erfordert das Teil, denn ein Floater
ist die B4 wahrlich nicht. Andererseits läßt sie sich für ihre Größe verhältnismäßig langsam machen. Ihre Flugmasse verhilft ihr dann auch zu dem "Durchzug", der einer
Kunstflugmaschine gut zu Gesicht steht. Nimmt man Fahrt auf, setzt die B4 diese nach einem leichten Ziehen am Höhenruder auch wieder in Höhe um, bzw. in Strecke, wenn man zum Beispiel ein wenig weit ausgeholt hat im Landeanflug. Da begeistert sie dann mit einem extrem guten Gleitwinkel, der sie auch in Situationen noch bis auf den Platz zurückbringt, in denen andere (aus dem Stall des Autors) längst im Rough vor der Start- und Landebahn
niedergegangen wären.


Weiter oben habe ich ja schon erwähnt, daß der Kunstflug nicht unbedingt meine Domäne ist. Daher gab ich die Schwabbauersche meinem Fliegerkameraden Bernd an die Hand, einem der Top-Piloten aus unserem Verein, dem Hamburger Modellsport-Club. Bernd, der nicht nur bereits einige B4s anderer Hersteller geflogen hatte, sondern auch jedem neuen Modell mit einer gewissen Skepsis gegenübersteht und mit langjähriger Erfahrung sofort die Schwachpunkte erfliegen kann, zeigte sich zur allgemeinen Überraschung begeistert. Looping, Rollen, schnelle Platzüberflüge und dergleichen mehr gelangen auf Anhieb wie auf Schienen.
Entsprechend ausgewogen, die EWD auf 1,5 Grad eingestellt und die Ruderausschläge auf eigene Gewohnheiten abgestimmt, begeistert der Flieger mit einem absolut "runden" Flugverhalten, das einem negative Überraschungen erspart. Sauber hängt er am
Ruder und setzt das um, was ihr der Pilot an Funkbefehlen angedeihen läßt. Auch das Überziehverhalten ist problemlos. Ziehen am Höhenruder bis zum "Gehtnichtmehr" nimmt sie
gelassen hin, um dann über eine Fläche abzukippen. Da die Strömung schnell wieder anliegt, läßt sie sich ohne Schweißperlen auf der Stirn mit geringem Höhenverlust sofort wieder abfangen.


Fazit


Ob nun die kleine B4 mit 2,14 Meter oder die mittlere mit 3,75 Meter Spannweite, beide Maschinen aus dem Hause Schwabbauer bereiten jede Menge Flugspaß. Dabei denke ich, daß die größere Variante ein ideales Modell zum Einstieg in die Großmodellfliegerei ist. Die Qualität "Made In Germany" kann voll überzeugen, zumal man den Vorfertigungsgrad nach eigenem Gusto wählen kann. Hier zeigt sich dann auch der Unterschied zwischen einem "billigen" und einem "preiswerten" Modell. Die Flugmodelle aus Nersingen gehören in die zweite Kategorie und sind meiner Meinung nach jede Mark ihres Preises wert.


Andreas Bierling





 
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